Alle Artikel von Dorothea Maria Keuter

Pflegestärkungsgesetz 1 – ab 01.01.2015

Ab dem 01. Januar 2015 werden die meisten Leistungsbeiträge für häusliche und stationäre Pflege um 4 Prozent erhöht. So erhalten Sie z.B. anstatt € 235 für die Pflegestufe 1 ab 2015 € 244. Für die Pflegestufe 2 erhalten Sie bei Geldleistung zukünftig € 458 – derzeit sind es € 440, bei Pflegestufe 3 sind es aktuell € 700, ab 2015 dann € 728. Ähnlich geringe Leistungssteigerungen findet man bei den Sach- und Kombinationsleistungen.

In der häuslichen Pflege wird der Zuschuss für den pflegegerechten Umbau der Wohnung von € 2.557 auf € 4.000 erhöht (z.B. behindertengerechter Badumbau). Für Pflege-WG`s gibt es sogar eine Förderung von bis € 16.000. Tages- und Nachtpflege können ab 2015 in vollem Umfang neben den Geldleistungen für häusliche Pflege in Anspruch genommen werden. Auch der Anspruch auf Verhinderungspflege soll von € 1.550 auf € 2.418 und der auf Kurzzeitpflege von € 3.100 auf € 3.224 steigen.

Die stationäre Pflege soll nur durch Entbürokratisierung und mehr Betreuungskräfte gestärkt werden.

Ich halte die Erhöhung der Pflegeleistungen um 4% für deutlich zu gering, denn gute Pflege ist teuer. Hinzu kommt, dass der Beitrag für die Pflegeversicherung in zwei Schritten um 0,5 Prozent steigen soll, um die Leistungserhöhung überhaupt erst finanzieren zu können.

Die neuen Pflegestufen ab 2017: Fünf Pflegegrade

Neuer Pflegebedürftigkeitsbegriff ab 2017:
1995 wurde die Pflegeversicherung eingeführt. Pflegebedürftige konnten seither Leistungen aus der Pflegekasse erhalten. Die Leistungshöhe wurde bislang anhand von (3) Pflegestufen bemessen. Hierbei war bislang irrelevant, wie schwer eine Krankheit oder eine Einschränkung ist. Maßgeblich für die Vergabe einer Pflegestufe ist derzeit, welcher Hilfebedarf in Bezug auf die „gewöhnlichen und regelmäßig wiederkehrenden Verrichtungen im täglichen Leben“ (§14 Abs. 1SGB XI) aus der Krankheit resultiert.
Minutenmäßig wird momentan der tägliche Hilfebedarf bemessen, und dementsprechend einer Pflegestufe zugeordnet.

Der neue Pflegebedürftigkeitsbegriff soll sich ab 2017 nicht mehr aus dem minütlichen Pflegeaufwand ableiten. Maßstab soll in Zukunft der Grad der Selbständigkeit sein. Dieser soll durch sechs festgelegte Kriterien, denen jeweils ein fester Punktwert zugeordnet ist, bestimmt werden. Im neuen Begutachtungsassessment (NBA) werden nach Schwere der Beeinträchtigung in den Bereichen der Selbständigkeit Punkte vergeben. Mit ihnen wird dann anhand einer Skala von 0 bis 100 der Pflegegrad ermittelt.

In einer Testphase, die seit April 2014 läuft, sollen dieses neue Einstufungsverfahren erprobt werden. Im Begutachtungsassessement (NBA) werden sechs Bereiche überprüft:

• Hilfen bei Alltagsverrichtungen
• Psychosoziale Unterstützung
• Nächtlicher Hilfebedarf
• Präsenz am Tag
• Unterstützung beim Umgang mit krankheitsbedingten Anforderungen
• Organisation der Hilfen

Die Pflegebedürftigen, die bereits eine Pflegestufe haben, werden automatisch und ohne Antrag in einen neuen Pflegegrad eingestuft:

• Pflegestufe 0 = Pflegegrad 1
• Pflegestufe 1 = Pflegegrad 2
• Pflegestufe 1 + Eingeschränkte Alltagskompetenz = Pflegegrad 3
• Pflegestufe 2 = Pflegegrad 3
• Pflegestufe 2 + Eingeschränkte Alltagskompetenz = Pflegegrad 4
• Pflegestufe 3 = Pflegegrad 4
• Pflegestufe 3 + Eingeschränkte Alltagskompetenz = Pflegegrad 5
• Härtefall = Pflegegrad 5

Die genaue Höhe der Leistungen der Pflegekasse je nach Pflegegrad ist noch nicht bekannt.

Wer mehr zum Thema lesen möchte:  www.bmg.bund.de/fileadmin/dateien/Downloads/P/Pflegebeduerftigkeitsbegriff/Materialen/Abschlussbericht_PBB_IPW_MDKWL_2013.pdf

40 bis 60 Prozent der Gremienmitglieder des MDK sind Krankenkassenmitarbeiter

Pressemitteilung der IKK Nord vom 15.08.2014

IKK Nord: Versicherte profitieren von einem unabhängigen Medizinischen Dienst

Selbstverwaltungsgremien ohne Hauptamt besetzen

Vor dem Hintergrund der aktuellen Diskussion um den Stellenwert der Medizinischen Dienste der Krankenversicherung (MDK) äußert Kassenchef Ralf Hermes: „Die IKK Nord legt großen Wert auf eine hohe unabhängige medizinische Kompetenz bei der Beratung und Entscheidung ihrer Versicherten. Die uns beratenden MDK Nord und MDK M-V e.V. machen hier eine sehr gute Arbeit.“ Jeder Eindruck, dass sie Instrumente der Krankenkassen seien, müsse vermieden werden. Und weiter: „Der MDK muss versichertennah und neutral arbeiten können.“

Um die Unabhängigkeit der MDK-Landschaften weiter zu erhalten und auszubauen, fordert die IKK Nord die Politik auf, dass in den MDK-Gremien der Selbstverwaltung zukünftig keine hauptamtlichen Krankenkassenmitarbeiter mehr sein dürfen.

Vorstand Ralf Hermes ergänzt abschließend: „Um die Leistungsentscheidungen der Krankenkassen medizinisch noch professioneller auszugestalten, wünscht die IKK Nord auch andere unabhängige medizinische Spezialisten beauftragen zu können. Davon können unsere Versicherten profitieren.“

Der MDK unterstützt die Kranken- und Pflegekassen in medizinischen und pflegerischen Fragen und wird von diesen finanziert. Laut Gesetz sind die MDK-Gutachter unabhängig.
Derzeit sind 40 bis 60 Prozent der Gremienmitglieder des MDK gleichzeitig amtierende oder ehemalige Krankenkassenmitarbeiter.

Alleinstehend, pflegebedürftig, arm

Alleinlebende Pflegebedürftige in Krisensituationen sind häufig auf sich gestellt.

Hier wird meiner Meinung nach deutlich, wie wichtig kompetente Pflegeberatung durch Pflegesachverständige, eine korrekte Einstufung in eine Pflegestufe und eine umfassende Beratung zur Organisierung der täglichen Pflege sind.

Eine aktuelle Studie der Stiftung Zentrum für Qualität in der Pflege (ZQP) verdeutlicht soziale Unterschiede in der häuslichen Pflege

Berlin 7. Mai 2014.
Die meisten Deutschen wollen in den eigenen vier Wänden altern und gepflegt werden. Aber die Grenzen häuslicher Pflege werden immer dann deutlich, wenn verschiedene Risikofaktoren wie beispielsweise ausgeprägte Pflegebedürftigkeit, soziale Isolation oder geringes Einkommen zusammenkommen. Davon sind alleinlebende Pflegebedürftige besonders betroffen, wie eine repräsentative Studie der Stiftung Zentrum für Qualität in der Pflege (ZQP) zeigt. Ein Forscherteam des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) untersuchte im Auftrag des ZQP insbesondere die Frage, wie Pflegebedürftige ihre Versorgung im eigenen zu Hause organisieren und welche Faktoren die Gestaltung der häuslichen Pflege maßgeblich beeinflussen. Die vorliegenden Ergebnisse gehen über die Routinedaten der aktuellen Pflegestatistik weit hinaus. Datengrundlage ist das Sozioökonomische Panel (SOEP) des DIW mit mehr als 20.000 Personen in fast 13.000 Haushalten.

„Da sich im letzten Jahrzehnt die Zahl der alleinlebenden Pflegebedürftigen verdoppelt hat, wird die Frage nach einer angemessenen Unterstützung dieser stark wachsenden Gruppe immer wichtiger. Die künftige Pflegereform muss dieser Entwicklung viel mehr Rechnung tragen“, erklärt Dr. Ralf Suhr, Vorstandsvorsitzender des ZQP. Insgesamt leben 44 Prozent der Pflegebedürftigen allein, 42 Prozent in einem Zweipersonenhaushalt und lediglich 14 Prozent in Haushalten mit mindestens drei Personen. Dabei gibt fast jeder fünfte alleinlebende Pflegebedürftige an, keine Vertrauensperson zu haben. Neben den emotionalen Konsequenzen dieser Einsamkeit, bedeutet dies auch, dass diese Personengruppe im Fall von gesundheitlichen Krisen oder bei Behördengängen niemanden hat, dem sie vertrauen und auf den sie sich wirklich verlassen kann. Zudem verdeutlicht die ZQP-Studie, dass alleinlebende Pflegebedürftige auch finanziell am stärksten durch Pflege belastet sind. Mehr als die Hälfte muss monatlich durchschnittlich 400 Euro aufwenden, während größere Haushalte mit rund 230 Euro deutlich weniger Geld für die Pflege aufbringen müssen.
Insgesamt betrachtet verwendet etwa die Hälfte aller Pflegehaushalte in Deutschland durchschnittlich 20 Prozent des Nettohaushaltseinkommens, um die Pflege zuhause organisieren zu können. Überdies bestehen bei den meisten Haushalten kaum finanzielle Reserven.

Die Folge:

Fast jeder fünfte Pflegebedürftige kann seinen Lebensstandard nicht aufrechterhalten und den Alltag nicht den eigenen Vorstellungen entsprechend gestalten.

Quelle: http://www.zqp.de/index.php?pn=press&id=402

ProNobis bei “Kick”

Zum Thema “Rundum guter Rat für eine Pflege” hat die Pflegeberatung ProNobis heute in Hattingen bei “Kick” einen Vortrag gehalten mit anschließender Fragestunde für die persönlichen Belange der Teilnehmer.
“Kick” ist ein städtischer Treffpunkt für Leute im (UN)Ruhestand.
Es war ein sehr angenehmer Themennachmittag in netter Atmosphäre, herzlichen Dank für die Einladung.

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Welche Leistungen übernimmt eigentlich die Pflegeversicherung???

Fragen Sie sich, wann die Pflegeversicherung zahlt und wofür sie zahlt?
Hier ein kleiner Überblick über die Leistungen:

1. PFLEGEGELD: Pflegeversicherte erhalten für die Pflege durch Angehörige oder andere Bezugspersonen in Pflegestufe I aktuell 235 Euro monatlich, in Pflegestufe II 440 Euro und in Pflegestufe III 700 Euro.

2. SACHLEISTUNGEN: Nutzt ein zu Hause lebender Pflegeversicherter einen anerkannten ambulanten Pflegedienst, zahlen die Pflegekassen für dessen Einsätze „Sachleistungen“ – bei Pflegestufe I 450 Euro, in Pflegestufe II 1.100 Euro, in Pflegestufe III 1.550 Euro und bei den seltenen Härtefällen 1.918 Euro.

3. VERHINDERUNGSPFLEGE: Für Verhinderungspflege für den Fall, dass pflegende Angehörige selbst erkranken und behandelt werden müssen oder in Urlaub fahren, zahlen die Pflegekassen aktuell bis zu 1.550 Euro im Jahr. Höchstens 28 Tage im Jahr können Pflegeversicherte die Verhinderungspflege durch ambulante oder stationäre Pflegeeinrichtungen in Anspruch nehmen. Voraussetzung: Mindestens sechs Monate zuvor muss der Versicherte durch pflegende Angehörige versorgt worden sein. – Die Möglichkeit der Verhinderungspflege wird von Pflegeversicherten bislang noch wenig genutzt.

4. KURZZEITPFLEGE: Für Kurzzeitpflege in Pflegeheimen oder in eigenständigen Kurzzeitpflegeeinrichtungen zahlen die Pflegekassen 1.550 Euro für maximal 28 Tage im Jahr. Insbesondere nach Krankenhausentlassungen wird Kurzzeitpflege genehmigt, wenn ein Pflegebedürftiger noch nicht zu Hause gepflegt und betreut werden kann.

5. TAGESPFLEGE / NACHTPFLEGE: Für Tagespflege zahlen die Pflegekassen bei Pflegestufe I monatlich 450 Euro, bei Pflegestufe II 1.100 Euro und bei Pflegestufe III 1.550 Euro. Bei Tagespflege von Härtefällen zahlen Pflegekassen 1.918 Euro. Wird ein Pflegebedürftiger zu Hause bereits durch einen ambulanten Pflegedienst versorgt, werden die Leistungen des Dienstes weiterhin über Sachleistungen finanziert. Der Versicherte erhält bei Tagespflege zusätzlich nur die Hälfte der genannten Tagespflege-Zuschüsse aus der Pflegekasse – also künftig 225, 550 bzw. 775 Euro monatlich je nach seiner Pflegestufe.

6. VOLLSTATIONÄRE PFLEGE: Wer sich in einem Alten- und Pflegeheim vollstationär pflegen und betreuen lässt, erhält aktuell bei Pflegestufe I 1.023 Euro, bei Pflegestufe II 1.279 Euro, bei Pflegestufe III 1.550 Euro und im Härtefall 1.918 Euro von seiner Pflegekasse.

Quelle: www.pflege.de

warum unabhängige Pflegeberatung so wichtig ist

Am 08.04.2014 berichtete die WAZ über Pflegeberatung.
Schon der Titel des WAZ-Artikels “Kritik an Pflegeberatung” zeigt, dass sich zukünftig etwas ändern muss. Hilfesuchende seien häufig schlecht informiert, Pflegeangebote seien oft unübersichtlich. Der Sozialverband Deutschland unterstellt sogar, dass die Pflegeberater der Pflegekassen, Sozialhilfeträger und Leistungserbringer wirtschaftliche Interessen hätten, und nicht klar sei, ob der Bedürftige oder die Kostensteuerung Vorrang habe. Ich sage: unabhängige Pflegeberatung verfolgt ausschließlich die Interessen der Bedürftigen.
Den gesamten WAZ-Artikel können Sie hier lesen Kritik an Pflegeberatung

Recht auf Kurzzeitpflege

Jedes Jahr nehmen ca. 20.000 Menschen eine stationäre Kurzzeitpflege in Anspruch.

Das Pflege-Versicherungsgesetz regelt den Anspruch auf Kurzzeitpflege. Danach besteht ein Recht auf Pflege in einer vollstationären Einrichtung von bis zu vier Wochen im Jahr, wenn die häusliche Pflege zeitweise nicht, noch nicht oder nicht im erforderlichen Umfang erbracht werden kann und eine teilstationäre Pflege nicht ausreicht.

Kurzzeitpflege kann z.B. bei Urlaub oder Krankheit der Pflegeperson gewährt werden, aber auch ein vorausgegangener Klinikaufenthalt kann eine Kurzzeitpflege rechtfertigen.
Grundvoraussetzung für das Recht auf Kurzzeitpflege ist die Pflegebedürftigkeit. Es muss mindestens Pflegestufe 1 nachgewiesen sein.

Die Pflegekasse übernimmt pro Jahr bis zu 1550 Euro der Kosten für die Kurzzeitpflege. Eine vierwöchige Kurzzeitpflege kostet allerdings bei Weitem mehr.

Elternunterhalt – müssen Sie zahlen, wenn die Eltern pflegebedürftig werden?

Reichen Einkünfte/ Vermögen eines pflegebedürftigen Elternteils sowie die Zahlungen der Pflegekasse nicht aus, um die Kosten der Pflege zu decken, springt zunächst das zuständige Sozialamt ein. Dieses kann ausschließlich von Kindern des Pflegebedürftigen die allermeisten Auslagen aber zurück verlangen, denn grundsätzlich sind Kinder in gewissem Rahmen zu Unterhaltszahlungen für ihre pflegebedürftigen und mittellosen Eltern verpflichtet.
Dies nennt der Gesetzgeber Elternunterhalt.
Voraussetzung dafür ist allerdings, dass der Lebensunterhalt der Familie des/ der Unterhaltspflichtigen und dessen private Alters- und Pflegevorsorge weiterhin sichergestellt bleiben. Nur Einkommen, Einkünfte und Vermögen von Kindern, das die Summe ihrer notwendigen Monatsausgaben überschreitet, kann für den Unterhalt des pflegebedürftigen Elternteils herangezogen werden. Unterhaltspflichtigen Kindern verbleibt aber ein sogenanntes Schonvermögen zur Erfüllung ihres eigenen notwendigen Bedarfs, für Abzahlungen z. B. eines Kredits für die selbst bewohnte Immobilie.
Näheres zum Thema Elternunterhalt finden Sie hier
http://www.finanztip.de/elternunterhalt/